[Rezension Jule] Barbara Welter-Böller, Claudia Weingand – EINMAL ÜBERBAUT- IMMER ÜBERBAUT? Exterieuranalyse und Tipps zum Pferdetraining

Klappentext:

»Gebäudemängel« wie ein tiefer Halsansatz, Rückständigkeit oder ein Senkrücken können vererbt werden, aber auch durch ungünstiges Training entstehen oder sich verstärken. Das Exterieur kann also positiv oder negativ verändert werden. In diesem Buch lernen Reiter, das Exterieur ihres Pferdes zu beurteilen und sowohl eine gute Entwicklung als auch Warnsignale wahrzunehmen. Dazu erklären die Autorinnen anatomische Grundlagen hinter Begriffen wie »steile Schulter« oder »hoch angesetzter Hals« und liefern Tipps, wie Pferde mit bestimmtem Exterieur trainiert werden können, um sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten optimal zu entwickeln.

Inhalt:

  • Ein Kaltblut ist kein Araber- Exterieur verschiedener Typen
  • Der Kopf
  • Problemstelle CTÜ
  • Der Hals
  • Das Vorderbein
  • Der Rücken
  • Die Hinterhand
  • Trainingstipps bei Exterieurproblemen
  • Exterieurbeurteilung in der Praxis

Cover & Titel:

Das Cover und den Titel finde ich sehr ansprechend. kombiniert mit dem doch langen Titel lässt es einiges erwarten. Wirkt auf den ersten Blick sehr professionell.

Meine Erwartungen

Ich habe auf ein Buch gehofft, was für den durchschnittlichen ambitionierten Freizeit- oder Turnierreiter geschrieben ist und Informationen zu Trainingseinheiten gibt. Speziell auf die Kompensation von Exterieurmängeln.

Meine Meinung zum Buch

Mhhh, leider leider muss ich Kritik äußern an dem Buch. Ich bin Ergotherapeutin und habe ein wenig Vorkenntnis was die Arbeit von Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven angeht. Aber selbst mir war das Buch etwas to much. Wenn ich ein Pferdefachbuch lese und es um Trainingstipps geht, erwarte ich deutsche Sprache und kein Fachchinesisch. Für mich ist es OK wenn die Muskeln, auch lateinisch auf einem Bild abgebildet sind, aber bitte nicht im Text nur mit Fachbegriffen um sich schmeißen. Ich finde es wenig förderlich, wenn ich bei den wenigen Tipps angekommen bin und 30 Seiten zurückblättern muss um nachzuvollziehen, von was für ein Muskel nun schon wieder die Rede ist. Auch weiß ein Reiter, der keinerlei medizinische Vorkenntnisse hat nicht welcher Muskel bei seinem Pferd atrophiert (zurückgebildet) ist, auch wenn er vorher das Bild gesehen hat nicht. Zumal es ja obere Muskelgruppen gibt und untere. Ich bin ja der Meinung es gibt schon genug Reiter die allein zu viel rumdocktern, da muss man jetzt nicht noch anfangen irgendwelche Erkrankungen zu erfinden oder ein Pferd als Nicht-Reitbar zu diagnostizieren…. weil er eine Hirnhautentzündung durch Verspannung hat…. So kann man manche Stellen bei Halbwissen verstehen. Ich hoffte auf Tipps zum Reiten, aber auch die kommen sehr kurz. Bis Seite 125, das sind etwa 2/3 des Buches, ist lateinische Theorie zu finden, wenn man Glück hat schon ganz wenig Trainingstipps, für Pferde mit kurzen oder langem Rücken fast gar keine. Dann folgen doch wirklich mal ganze 20 Seiten Trainingstipps in Zusammenfassung auf Fachchinesisch. Und auf den letzten 20 Seiten folgen Bilder zur Exterieurbeurteilung eines Pferdes. Ganz ehrlich. Ich habe nicht alles im Buch gelesen. Denn ich wüsste immer noch nicht und weiß es auch so nicht wie ich mein Pferd zu mehr Elastizität und schwingendem Rücken bringe.

Nur meckern will ich auch nicht, für medizinisches Fachpersonal, und akribische Reiter mit viel Durchhaltevermögen und wenn man sich was mit schreibt, kann es doch aufschlussreich sein. Es sind auch wirklich gute Erklärungen und Zusammenhänge enthalten, auch in Bezug auf Muskelketten usw. Die Bilder sind anschaulich und lateinische Begriffe zu den Muskeln lernt man auch gleich. Für Humanmediziner und Therapeuten ist es auch mal interessant zu sehen, wo die Muskeln beim Pferd liegen und wie die innerviert werden. Aber wollen das normale Reiter??? Ich weiß es nicht.

Zitat:

Information zum Rücken: 

„Wie ausgeprägt der Widerrist eines Pferdes ist, hängt neben der Anatomie des Halses und der Dornfortsätze von der Spannung der Widerristbinde (Fascia spinocostotransversalis), vom Training des Rumpftrageapperates und vom Equipment ab. ….“

Buch S 86

„Verspannter M. iliopsoas: Eine besondere Form des LSÜ ergibt sich durch einen verspannten Hüftbeuger, dem M.iliopsoas. Auslöser können etwa heftiges Ausschlagen mit den Hinterbeinen sein oder auch ein Überstrecken der Hinterhand bei einem Hochweitsprung. …. „

Buch S 108
Trainingstipps bei gerader Gruppe:
„Hier ist ein gemeinsames Training der zu schwachen Muskelgruppen möglich. Durch vermehrte Anspannung des M. rectus abdominis im passenden, ruhigen Tempo mit möglicher Längsbiegung wird das Untertreten der Hinterbeine möglich. …“

Ob ihr damit was anfangen wollt, könnt und daraus schlauer werdet überlasse ich euch, wenn Ja solltet ihr das Buch sofort kaufen.

Fazit:

Ja, was soll ich sagen? Gut gemeintes Fachbuch mit viel Fachbegriffen und Input. Ob man dadurch sein Pferd mit Exterieurmängeln besser zu reiten weiß, wage ich in Frage zu stellen. Zu viel Fachchinesisch, zu wenig Reiten und Praxis würde ich sagen.

Bewertung:

Zwinkerlings_Bibliothek_3_Buch_Bewertung

Details zum Buch:

  • Autor: Barbara Welter- Böller & Claudia Weingand
  • Verlag: Müller Rüschlikon
  • Genre: Fachbuch Pferd
  • Seiten: 173
  • Erschienen am: 24.01.19
  • ISBN: 978-3275021512
  • Preis: 24,90 €

Und zum Schluss:

Vielen Dank an den Verlag für das uns entgegengebrachte Vertrauen dieses Schmuckstück auf unserem Blog vorstellen zu dürfen.
.Nehmt es mir nicht übel, wenn ich kritisch bin, aber manchmal muss es eben einfach sein, Ihr wollte ja Bücher nicht kaufen, wenn die nichts für euch sind oder wenn ihr auf der Suche nach etwas Bestimmten seit, ist vielleicht Das Buch hier, genau das Richtige,